Gamification of Life – Ein philosophischer Aufreger

Der gestrige Abend brachte zwei interessante Dinge zusammen:

eine Fahrt mit einem StadtRad, dem CallABike-Dienst der Stadt Hamburg und eine Aufführung z. Thema Mythos des Sisyphos in der Reihe Theatralik Philosophieren am Ernst-Deutsch Theater.

Neben vielen Gedanken zum Steine rollen imho auch einige Erkenntnisse zum Thema Gamification of Life:

Nach dem  mich, als Teil einer Generation, für den das Computerspiel eine wesentliche Sozialisationserfahrung darstellt, schon die berufliche Bewerbungen (über div. Online-Plattformen der Arbeitgeber) an die Charaktererstellung in MMORPGs erinnern, macht mir sowohl die Nutzung der StadtRad-App (seit letzter Woche) und meines Smartphone-Twitter Clients (seit zwei Wochen) noch einmal deutlich, wie weit die Qualität des Computerspiels grundlegende Formen meines Lebens bestimmt. In Anlehnung an den digital-literarischen Begriff Gamification, würde ich diesen Umstand als Gamification of Life bezeichnen.

Nun könnte man Kulturverfall wittern und in forsmannsche Empörung verfallen oder aber – auch in Hinblick auf die aktuelle Ettikette-Debatte bzgl. Google Glasses und dem Shift in Googles kategorischen Imperativ – Von „Don“’t be Evil  zu „Don’t be creepy“ kulturschaffend reagieren und zu reflektieren beginnen. In der Selbstbetrachtung (My display is my mirror) kann einem eigentlich nur ein Bild in den Sinn kommen – Der Performance-Künstler und welterster Cyborg Stelarc und seine Aktion „Ping Body“. Das bin ich als vollvernetzter digital geborener Mensch respektive Körper, mein Mikromanagement völlig den digitalen Anreizen hingegeben?

bild

Aber nachdem Herr Hessel die Empörung zur Lebensmaxime geadelt hat, und es mich zu deutsch es ziemlich anpisst, wie sich durch die Hintertür der Mobilität nun doch eine Fitness-App in meinen digitalen Organismus eingeschlichen hat, (#fuckyou @quantify yourself) noch einmal eine Wendung hin zum Begriff am Anfang des Artikels Gamification of Life oder um es situationistisch zu umschreiben: Homo, es homo ludens.

Und hier wird der große Unterschied der digitalen und der situationistischen Utopie deutlich.

Denn da wo der Situationist, die Stadt als Spielplatz, als psychogeographischer Flaneur quasi im Vorbeigehen die Erfüllung findet, und der Parkour-Läufer in seiner Nachfolge dem Runners High eines realweltigen „Jump and Run“ gewahr wird, findet der unkritische User einer StadtRad-App (oder von Twitter) nur eines – seltsamerweise eine zentrale Kategorie im App-Store: Produktivität.

In diesem Sinne – Keep on procrastinating – I need an extra life:

@sinnundverstand #plattensammlung

Pornophonique – Take me to the Bonuslevel:

http://www.youtube.com/watch?v=ojS_e7URi10

 

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