Podiumsdiskussion Words & Money (Buchmesse 2014)

Words and Money

Eine Diskussion zum Thema Demokratisierung und totalitäre Tendenzen im Publishing – Crowdfunding vs. Walled Gardens

Es diskutieren:

  1. Zoe Beck (Verlegerin culturbooks)
  2. John Mitchinson (Verleger Unbound – ein britischer Crowdfunding Verlag)
  3. Georg M. Oswald (Verlagsleiter Berlin Verlag)
  4. Mathias Gatza (Fiktion – Literaturvermittler für hochwertige Netztexte)

Angesichts der gestrigen Ankündigung von Amazon nun auch in Deutschland verlegerisch aktiv zu werden (lesen.net berichtete) beginnt das Podium Words & Money mit der Frage nach dem Einfluss dieses Schritts auf das Geschäft der Teilnehmer:

Mitchinson, Verleger des britischen Crowdfunding-Verlages Unbound äußert seine generelle Begeisterung für disruptive Geschäftsmodelle, warnt jedoch im selben Atemzug vor Unternehmen, die Marktmacht und totale Kontrolle der Lieferkette zwischen Autor und Leser in sich vereinen.

Zoe Beck bezeichnet die Trennlinie zwischen Papierbuch im Sortiment und eBook auf dem Kindle weiterhin als lebensfähiges Modell und zeigt sich erfreut über die Meldung des Internetversenders.

Matthias Gatza warnt in der Diskussion auch vor der Marktmacht der beiden großen internationalen Verlagsgruppen und bricht eine Lanze für die Differenzierung des Buchmarktes, an der sowohl Leser als auch Autoren ein hohes Interesse haben.

Die zweite Frage, die den Moderator umtreibt, – spielt auch die klassische Klaviatur der Digital Publishing Podien, die Frage nach Zahlen, Geschäftsmodellen, dem großen Geld und – neu im Konzert – Autorenbindung.

Zoe Beck überzeugt ihre Autoren mit ihrer Experimentierfreude und der textlichen Freiheit, die diese bei culture books genießen. Da sie Autoren sehr gezielt anspricht, die sie persönlich begeistern ist wie sie sagt: „keine weitere Überzeugungsarbeit nötig.“ Maßgabe für die Preisgestaltung ist weniger die Länge des Textes sondern ganz pragmatisch der nötige Aufwand zur Veröffentlichung. Preispanne von culture books liegt momentan zwischen 0.99 EUR und 12.99 EUR.

Bei Unbound trifft der „Verleger“ Mitchinson zwar eine Vorauswahl der dort vorgestellten Projekt, die eigentlichen verlegerische Entscheidungen, sondern Community. Die durchschnittliche Summe, die die begeisterten User zur Verfügung stellen beträgt zwischen 2-3.000 EUR für ein eBook-only Projekt und 60.000 EUR für ein illustriertes Werk. Der Brite äußert seine Begeisterung für das booklovers paradise Deutschland. Die Gatekeeper-Rolle sieht er auch beim Crowdpublishing immer noch intakt, jedoch stehen die Türen weiter offen, da die Kosten für einen Pitch für die zukünftigen Autoren minimal sind. Im Unterschied zum klassischen Verlegen sieht er seine Unternehmung als Joint Venture zwischen Autor und Verleger.

Die Demokratisierung des Publizieren ist für ihn Chance für Special Interest Titel, die Gefahr das sein Programm durch eine von großen Verlagsgruppen an Genre-Content gewöhnte Crowd popularisiert wird ist in den Augen des gesamten Podiums unbegründet. Auf der Frage von Oswald nach Tantiemen, antwortet Mitchinson, dass dieses absolut transparent kommuniziert werden und alle Gewinn aus den Print-Runs (500-1000 Kopien) im Verhältnis 50/50 geteilt werden. Für Nachauflagen verhandle man individuell, da die Selfpublisher, die auf Unbound veröffentlichen hier für deutlich unternehmerischer gesprägte Modelle als klassische Verlagsautoren nachfragen.

Im Bereich hohe Literatur spielt laut Verlagsleiter Georg M. Oswald das digitale Geschäft beim Berlin-Verlag wie erwartet noch keine große Rolle und auch im Bereich Genreliteratur verhält sich das eBook eher ungewohnt bescheiden.

Mathias Gatzka fasst gegen Ende des Gesprächs noch einmal zusammen, welche Widerstände Textformen die vom realistisch erzählten Roman abweichen zu überwinden haben. Angesichts der neuen Möglichkeiten, die sich für den Literaturvermittler mit seinem Textportal „Fiktion“, das eine Breite unterschiedlichster literarischer Textformen versammelt, sieht er die zunehmende Konzentration kritisch, möchte sie jedoch angesichts der gegenläufig stattfindenden Demokratisierung des Publizieren, die im Internet vorangetrieben wird nicht einseitig dämonisieren.

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